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Die Hochzeitsnews in den Medien und im Blog

Der Arbeitsmarkt – Zukunftsberufe Hochzeitplanerin 01/2015

H o c h z e i t s p l a n e r i n
Der schönste Tag im Leben – der anderen

Nur ein grosses Anliegen hatte Evelyne Schärer an die Trauzeugen ihrer Hochzeit: «Bitte verhindert mit allen Mitteln, dass mein Vater eine Rede hält!» Wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein Weg. In diesem Fall nicht für die Trauzeugen, sondern für den Vater, der sich nicht aufhalten liess. Ihr Wunsch ging nicht in Erfüllung.
Noch im selben Jahr stellte die Romantikerin sicher, dass die Feier angehender Ehepaare weder durch redselige Väter, Mütter, Schwiegereltern noch durch andere kleinere oder grössere Katastrophen statt in der gewünschten Traum- in der gefürchteten Alptraumhochzeit endet. Als Hochzeitsplanerin und Inhaberin der Agentur «your perfect day» widmet Evelyne Schärer sich mit Herzblut dem schönsten Tag im Leben Heiratswilliger.
Unterdessen setzt sie alles daran, den noch nicht geschützten Titel «Hochzeitsplaner» auf eine professionelle Basis zu bringen. Sie gründete 2008 einen Verband und lancierte 2010 einen Diplomlehrgang. Für die  Marktnischenfinderin ist klar: «Hochzeitsplaner ist nicht nur der schönste Beruf, sondern auch ein Beruf mit Zukunft.»

Eigene Hochzeit als Lehrplatz
Wer von der 45-Jährigen Pleiten-, Pech- und Pannengeschichten hören will, wird mit Ereignissen aus ihrer eigenen Hochzeit im Jahr 2004 bedient. Nur anhand eines Bildes besprachen sie und ihr seit Jahren vertrauter Coiffeur ein paar Wochen vor dem Anlass die Hochzeitsfrisur. Das Ergebnis am Tag der Hochzeit war für die zierliche Frau mit den langen schwarzen Haaren eine Katastrophe. Jegliche Versuche des Coiffeurs, der Wunschfrisur näher zu kommen, scheiterten. Das war die erste bittere Pille, die Evelyne Schärer an ihrem
schönsten Tag schlucken musste. «Ich sah richtig gruselig aus, kam eine Stunde zu spät an meine eigene Hochzeit und  war furchtbar deprimiert», sagt sie und grinst. Ihre Erkenntnis: «Vertrauen ist gut, ein Probetermin noch besser!»

Ein Missgeschick erwies sich aufgrund des Haardesasters schon fast als Glücksfall. Ihr Fotograf, ein Profi, war leider nicht auf Hochzeiten spezialisiert. So fehlen in ihrem Album genau die romantischen Paarbilder, die sich Braut und Bräutigam oft wünschen. Die erfahrene Eventorganisatorin musste feststellen, dass die Hochzeit in einer anderen Liga spielt. «An diesem Anlass schwingen so viele Emotionen und Geschichten aus der Familie und dem Freundeskreis mit. Der Druck auf das Brautpaar und die Trauzeugen, diesen einen Tag zum schönsten Tag zu machen, ist gewaltig.»

Die Inspiration zur Hochzeitsplanerin kam nicht, wie ihr Umfeld gerne vermutet, durch die Filmromanze «The Wedding Planner» mit Jennifer Lopez. Auch wenn Evelyne Schärer mit ihrem Charme und modischen Flair durchaus mit der Hollywoodikone mithalten kann. 2002 reiste sie mit ihrem zukünftigen Mann nach Mexiko und sah dort zufällig einer amerikanischen Hochzeitsplanerin zu. «Das ist all das, was ich kann, bin und will», dachte sich die Kommunikations und Marketingfrau, die unter anderem viele Jahre die Kollektionen von Wolfgang Joop managte. Über einen wunderschönen Nebenjob, der sich bestens mit Familie und Kindern unter einen Hut bringen liesse, sinnierte Evelyne Schärer.

Noch in Mexiko löste sie die Domain «yourperfectday.ch», schaltete die Homepage zwei Jahre später online und schaute, was passieren würde. Schnell kamen die ersten Aufträge, doch die neu gekürte Hochzeitsplanerin zögerte und überzeugte einige Paare gar davon, die Hochzeit ohne ihr Zutun zu organisieren. Als die Anfragen sich häuften, gab sie sich einen Ruck und legte los. Glücklicherweise musste sie die gefürchtete Frage an eine Einsteigerin nie beantworten: «Wie viele Hochzeiten haben Sie schon organisiert?»
Evelyne Schärer ist in der Zwischenzeit geschieden, weiss aber mit Gewissheit: «Ich werde bestimmt noch einmal heiraten. Für mich ist die Heirat zwischen Frau und Mann, Frau und Frau oder Mann und Mann das grösste ‹Ja›, das sich zwei Personen in einer Liebesbeziehung geben können.» Aspekte wie Sicherheit, finanzielle Vorteile oder auch gemeinsame Kinder sind für die Geschäftsfrau kein Grund zu heiraten.

Netzwerk als wichtigstes Werkzeug
Der Beruf als Hochzeitsplaner ist zu vergleichen mit der Führung eines kleinen Generalunternehmens: Marketing, Sales, Controlling und nicht selten auch ein bisschen Psychotherapie. Wer diese Vielseitigkeit nicht vorweisen kann, wird in dieser Branche schwer Fuss fassen. Nicht so die Netzwerkerin und ihr mittlerweile sechsköpfiges Team. Scherzhaft nennt sie sich und ihre Crew «Die sieben Zwerge». Ihre Datenbank ist voll mit auf Hochzeiten spezialisierten Partnern in den Bereichen Mode, Fotografie, Styling und Lokalitäten.

Ein besonderes Augenmerk legt sie auf die unterschiedlichen Budgetvorstellungen der Paare. Im Gegensatz zu vielen Gerüchten können sich nicht nur Gutsituierte oder Prominente einen Hochzeitsplaner leisten. Wobei sich ihre VIP-Liste durchaus sehen lässt: Der ehemalige Profi-Radrennfahrer Jan Ullrich sowie die Fussballspieler Alex Frei und Marco Streller sind nur einige aus Evelyne Schärers Kundendatei. Brautpaare mit einem kleinen Einkommen können bei den Vorbereitungen und der Wahl der vielen Anbieter böse finanzielle Überraschungen erleben. Den Entscheid für oder gegen einen Hochzeitsplaner erklärt Evelyne Schärer am Beispiel eines Hausbaus: «Nicht selten führen eigene Bauarbeiten am Haus zu einem Desaster und übersteigen die Kosten eines Profis bei Weitem.» Erst wenn sie weiss, wie viel Budget dem Paar zur Verfügung steht, beginnt sie mit der Planung und setzt die geeigneten Partner ein. «Die richtigen Kontakte sind das A und O bei einer Hochzeitsvorbereitung.»

Im vergangenen Jahr gelang Evelyne Schärer ein kleines Wunder, wie sie selbst sagt. Nur 20 000 Franken standen für die Hochzeit zur Verfügung. 70 Gäste waren geladen. Limousine und Prinzessinnenkleid mit Diadem durften nicht fehlen. Die Kosten für die Hochzeitsplanerin betrugen 3000 Franken. Brautpaar und Familie bastelten Tischdekorationen, Einladungs- und Menükarten, nähten Tischläufer, schnitten Papierblumen und richteten den Saal am Abend vor der Hochzeit selber her. «Das gab es bei uns noch nie.» Anders bei der 1-Million-Franken-Hochzeit. Ein Bräutigam, der mit der Überzeugung aufgewachsen war, dass er mit Geld alles bekommt, brachte die Hochzeitsplanerin an ihre Grenzen, da sie ihm 24 Stunden und sieben Tage die Woche zur Verfügung stehen sollte.

«Die Heirat ist das grösste ‹Ja› in einer Liebesbeziehung.»

Während der Vorbereitungen, die häufig schon ein Jahr im Voraus beginnen, kommen sich Hochzeitsplanerin und Brautpaar sehr nahe. Die Chemie zwischen ihnen muss stimmen. Wird es zwischenmenschlich zu kompliziert und schwierig, hält sich das Team der Hochzeitsplanerin an eine Klausel im Vertrag und lehnt den Auftrag ab. «Da machen wir keinen Unterschied, ob der Auftrag gross oder klein ist.»

Jeder will die schönste Hochzeit
Dank ihrer beruflichen Erfahrung im Bereich Human Resource verfügt Evelyne Schärer über ein feines Gespür für Herzenswünsche. Sie muss aus den vielmals noch nicht formulierbaren Träumen der Paare ein klares Bild ihrer Hochzeit entwerfen. Nicht selten sind die Vorstellungen, wie der schönste Tag im Leben zu verlaufen hat, von Mann und Frau so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Die Rolle der angehenden Eheleute ist während der Planung ein grosses Thema. Wie bringt der Mann sich ein, welches sind ihre Aufgaben, und wie vermeiden die beiden Streitereien? Die Frauen sind häufig enttäuscht, wenn der Mann nicht mit derselben Euphorie vorgeht wie sie. «Ein Phänomen, das ich fast bei jedem Brautpaar erlebe.» Bei solchen Konflikten stellt sich Evelyne Schärer auf die Seite des Mannes. Sie weiss, dass hinter dem Rückzug kein Desinteresse steht, sondern eine klassisch männliche Eigenschaft, wie die Gebrauchsanweisung nicht lesen oder nicht nach dem Weg fragen wollen. «Dabei, ganz nüchtern betrachtet, hat der Mann mit dem Heiratsantrag seinen Job eigentlich gemacht. Hätte er nicht gefragt, würde keine Hochzeit zustande kommen.»

Smartphone, Youtube, Facebook und Co. haben das Leben des heiratswilligen Mannes nicht einfacher gemacht. «Schatz, schau dir diesen Heiratsantrag im Internet an – vor 40 000 Zuschauern!» Solche Botschaften senden Frauen laut Evelyne Schärer immer häufiger an den Mann. Für den Antrag an die Auserwählte muss eine aussergewöhnliche Idee her. Evelyne Schärer hat das Dilemma erkannt und bietet neu mit «your perfect proposal» ihre Hilfe an, damit der «Jö-Effekt» der Angebeteten nicht ausbleibt. 2014 fanden mit Ihrer Unterstützung zwei erfolgreiche Anträge statt, die nun auf Youtube und Fotos verewigt sind. «Das ist definitiv ein Service, den ich weiter ausbauen werde.»

Kein grober Fehler erlaubt
Wie ein Kapitän sein Schiff nicht verlässt, gibt auch Evelyne Schärer die Planung einer Hochzeit nicht mehr aus den Händen und schaut, dass das Zweierruderboot den Kurs in den sicheren Hafen der Ehe hält. «Das ist gar nicht immer einfach, denn oft kommen die Paare mit lustigen Ideen, die sich nicht umsetzen lassen.» Gerät das Boot in Schieflage, greift die Hochzeitsplanerin ein und rudert an der Seite der Frau oder des Mannes mit.

«Hochzeitsplaner ist ein Beruf mit Zukunft.»

Zwischen 20 und 30 Hochzeiten betreuten sie und ihr Team im vergangenen Jahr. «Mehr hätten wir gar nicht bewerkstelligen können. An jedem Anlass sind zwei von uns vor Ort, und eine steht auf Abruf bereit.» Neue Mitarbeiterinnen zu finden und einzuarbeiten, ist für Evelyne Schärer schwierig: «Es muss nicht nur zwischen ihnen und mir stimmen. Sie müssen auch meine Ansprüche erfüllen, und die sind exorbitant hoch.» Bis ein Teammitglied von «your perfect day» alleine eine Hochzeit planen darf, wird es von Evelyne Schärer in die kleinsten Details und Geheimnisse einer guten Hochzeitsplanerin eingeführt.

Fast ein Jahr oder für mindestens fünf bis sechs Hochzeiten stehen die neuen Mitarbeiterinnen an ihrer Seite, nehmen an sämtlichen Besprechungen teil und bekommen Einsicht in jegliche Korrespondenz. Erst wenn Evelyne Schärer zu 100 Prozent sicher ist, übergibt sie die Verantwortung einer Hochzeitsplanung und steht nur noch im Hintergrund mit Rat und Tat zur Seite. «Ich bin überzeugt, dass wir uns in dieser Branche genau einmal einen groben Fehler erlauben, dann ist der Ruf ruiniert.» Kleine Zwischenfälle sind nichts, was eine Hochzeitsplanerin aus der Ruhe bringt. «Natürlich finden wir Pannen schrecklich, aber wir lösen diese professionell und pragmatisch. Wir tragen schliesslich die Verantwortung für den schönsten Tag im Leben des Paars – danach geht es nur noch bergab!», sagt die Geschäftsfrau charmant und doppelt gleich nach: «Ja, den Spruch sage ich tatsächlich jedem Paar.»


Evelyne Schärer, 45, ist in Bülach geboren. Sie besuchte die Textilfachschule, absolvierte ein höheres Wirtschaftsdiplom und die Ausbildung zur Verkaufskoordinatorin.
In der Fashionbranche war sie im Einkauf, Verkauf und Marketing tätig und managte unter anderem verschiedene Kollektionen von Wolfgang Joop. Für eine Internetagentur betreute sie ebenfalls das Marketing und die Human-Resource-Abteilung. 2004 gründete Evelyne Schärer die Agentur «your perfect day» und startete als Hochzeitsplanerin. Zusammen mit der Hochzeitsplanerin Yvonne Hochheuser gründete sie 2008 den Verband Unabhängiger Schweizerischer Hochzeitsplaner mit 37 Mitgliedern. 2010 lancierte sie in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Ausbildungszentrum für Marketing, Werbung und Kommunikation SAWI den viermonatigen Diplomlehrgang Hochzeitsplaner VUSH/SAWI in Zürich und Bern. Sie ist dort als Dozentin tätig.

Text Leila Chaabane, Fotos Simone Gloor