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WOMEN IN BUSINESS – Die beste Freundin der Braut – Mai 2015

Die beste Freundin der Braut

Evelyne Schärer ist die umtriebigste Hochzeitsplanerin der Schweiz. Sie legt sich ebenso für High-End-Hochzeiten ins Zeug wie für ihren Berufsstand.

Ihre eigene Hochzeit sei eine «kleine Katastrophe» gewesen: Sie selbst kam eine Stunde zu spät zur Trauung, weil die Frisur nicht rechtzeitig fertig wurde; der Fashion- und Architekturfotograf vergass, Bilder vom Brautpaar zu machen; zuletzt bescherte die Polizei dem aus London  eingeflogenen DJ den kürzesten Auftritt seines Lebens – und der Hochzeitsfeier ein abruptes Ende. «Da war mir klar, dass man auch in der Schweiz professionelle Hochzeitsplanung braucht», sagt Evelyne Schärer. «Ich hatte zwar schon internationale Events organisiert, aber von den Besonderheiten einer Hochzeit hatte ich keine Ahnung.» Ganz so dramatisch war der  Hochzeitstag der Unternehmerin 2004 vielleicht nicht, ist aber eine griffige Episode, die sich zur Gründung ihrer Firma erzählen lässt.

Sie managt das grösste Wedding-Business der Schweiz: Evelyne Schärer, seit 2004 Besitzerin der Agentur Your Perfect Day und inzwischen Chefin von sieben Angestellten.

Ich treffe Evelyne Schärer an einem Mittwochmorgen in der Lounge eines Zürcher Hotels. «Viele glauben, dass ich den ganzen Tag mit Bräuten Torten teste», sagt sie. So zuckersüss und rosig sei ihr Alltag nicht, stellt die Unternehmerin gleich zu Beginn klar. Mit ihren langen braunen Haaren, den perfekt manikürten Fingernägeln und dem lässigen Look könnte man sie glatt für ein Model aus einer Werbung halten. Evelyne Schärer bestellt einen Vollkorngipfel und einen Latte Macchiato. So gemütlich wie heute beginnen ihre Tage selten. «Normalerweise würde ich jetzt am Schreibtisch sitzen, Mails beantworten, herumtelefonieren und mit Paaren aus dem Ausland skypen», sagt sie. Locations suchen, Konditoren abklappern, Dekorationskonzepte zusammenstellen – das ist ihr Tagesgeschäft. Evelyne Schärer ist die Taktgeberin für «den schönsten Tag im Leben» ihrer Kunden. Improvisationstalent, Verhandlungsgeschick und Einfühlungsvermögen sind ihre ständigen Begleiter. Was die Unternehmerin ihren Mitbewerberinnen voraus hat, ist Präsenz: Wenn in Schweizer Medien über Hochzeiten berichtet wird, ist ein Zitat von ihr nicht weit.
2013 ging es für die Mittvierziegerin sogar ins deutsche Fernsehen. Für die VOX-Show «4 Hochzeiten und eine Traumreise» kommentierte sie als Expertin die Kandidatenfeiern. Die Show erreichte in der werberelevanten Zielgruppe einen durchschnittlichen Marktanteil von beachtlichen 8,4 Prozent.

Ein Novum in der Schweiz
Evelyne Schärer ist einer jener Menschen, für die der Tag zehn Stunden mehr haben müsste. Vor allem im Sommer, denn wenn die Sonne scheint, haben Hochzeiten Hochkonjunktur. Das Schweizer Durchschnittspaar gibt zwischen 20 000 und 35 000 Franken für den Event der Superlative aus. Für die Hochzeiten, die Evelyne Schärer organisiert, sind es 80 000 Franken. Dass sie dereinst High-End-Hochzeiten für Spieler des FC Basel, Rennfahrer Timo Glock oder Radrennprofi Jan Ullrich planen würde, hätte Evelyne Schärer nie gedacht.
Das mag nach Pose klingen. «Mein Credo war simpel: nur die Hochzeiten von Paaren zu organisieren, die nett sind. Schliesslich muss ich in der Vorbereitungszeit die beste Freundin der Braut sein.» Die Beziehungsarbeit, um die es bei der Hochzeitsplanung letzten Endes gehe, werde in einer Branche, die wie wenige andere vom Klischee lebt, unterschätzt. Schublade auf, ein paar Tauben hier, ein paar Deko-Herzen da – das reiche, nicht um Erfolg zu haben. Als Evelyne Schärer 2004 mit der Perfect Day GmbH an den Schweiz an einer Hand abzählen. Heute gibt es mindestens zwanzigmal mehr Hochzeitsplaner. Viele davon sind im Unterschied zu Evelyne Schärer aber nur im Teilzeitpensum aktiv. Die Domain yourperfectday.ch kaufte die gelernte Textilkauffrau bereits 2002, von einem Hotelzimmer in Mexiko aus. In den Ferien hatte sie zufällig eine Hochzeitsplanerin aus den USA kennengelernt. Und die noch vage Idee, selbst so ein Business aufzuziehen, geboren.

Bis dahin reihten sich im CV von Evelyne Schärer Eventjobs und das Managen einiger Kollektionen von Wolfgang Joop aneinander. Etwas Neues musste her. «Bis zu meiner eigenen Hochzeit war ich mir unsicher, ob die Schweiz für eine so amerikanische Dienstleistung reif ist.» Mittlerweile ist Schärer geschieden; dafür ist ihre Agentur Your Perfect Day von einer One-Woman-Show zu einem siebenköpfigen Team herangewachsen.
Ein Novum in der Schweiz. Für Schärer das USP ihrer Firma: «Bei keinem anderen Anbieter haben Paare die Sicherheit, dass ihre Hochzeit gut betreut wird, auch wenn sich die Planerin mal die Haxen bricht.» Ihre sieben Angestellten, die alle im Stundenlohn angestellt sind, nennt Evelyne Schärer «meine Mädels», wahlweise «Ladys». Die Geschäfte laufen gut, sagt Schärer, konkrete Zahlen möchte sie nicht nennen. Hochzeitsplaner erhalten zwischen 10 und 15 Prozent des Hochzeitsbudgets.
Die stärkste Your-Perfect-Day-Filiale sei Zürich, gefolgt von Luzern und Zug. Bern, Basel und St. Gallen seien noch auf verhaltenem Level, «weil hier das Bewusstsein für Planungs-Outsourcing erst noch geweckt werden muss». Neuerdings hat Your Perfect Day auch eine kleine Schwester: Your Happy Day. Mit diesem Firmenzweig münzt Schärer mit festen Preispaketen die Hochzeitsplanung fürs kleinere Portemonnaie um und erreicht damit ein weiteres Marktsegment.

Produzentin von Mitbewerbern
Die Story klingt so erfolgreich, wie Hochzeitstorten hoch sind. Von Brüchen in der Erfolgsgeschichte will Evelyne Schärer nichts wissen – und auch nicht von Konkurrenz: «Mit unserer Aufstellung und unserer besonderen Art haben wir keine Konkurrenten, nur Mitbewerber.» Für die sorgt Evelyne Schärer nicht zuletzt selbst. Als Präsidentin und Mitgründerin des Verbands Unabhängiger Schweizerischer Hochzeitsplaner (Vush) initiierte sie vor sechs Jahren die Ausbildung zum Hochzeitsplaner an der Schule für Marketing, Werbung und Kommunikation (Sawi) mit. Rund 20 Anwärter schliessen im Halbjahrestakt mit einem Diplom in Hochzeitsplanung ab. Der Vush wurde 2008 gegründet, um eine marktfunktionierende Handhabe gegen «selbsternannte Hochzeitsplaner » zu haben – «Prädikat Perfect» für eine Berufsbezeichnung, die in der Schweiz nicht geschützt ist.
Aktuell zählt der Vush 39 Mitglieder, darunter viele Lehrabgänger, die Evelyne Schärer selbst ausgebildet hat. «Mir ist es lieber, wenn sich auf dem Markt Akteure tummeln, die wissen, was sie tun. Der Berufsstand liegt mir am Herzen.» Das klingt generös. Wohin man in der Branche schaut, Evelyne Schärer ist da – oder war zumindest mal da.
Aber nicht alle klatschen ob der einnehmenden Persönlichkeit Schärers in die Hände. Öffentlich äussern möchte sich an dieser Stelle niemand. Dass es seit 2011 den Zusammenschluss Wedding Networks und neuestens eine weitere Ausbildung bei der Swiss Academy of Wedding & Events Education gibt, lässt sich durchaus als Kritik am Vush und dem Sawi-Diplom lesen. «Wir haben einfach eine andere Philosophie und verfolgen andere Grundsätze», heisst es auf Anfrage.

Das professionelle Planen von Hochzeiten hat in den USA und England Tradition, schwappte zu Beginn der Nullerjahre aufs europäische Festland über und musste sich erst etablieren.
Noch heute leistet sich nur ein Bruchteil der jährlich 40 000 Hochzeitspaare in der Schweiz eine professionelle Planung. Vor fünf Jahren schätzten Branchenkenner die Zahl auf ein Prozent, mittlerweile dürfte sie höher sein.
Kann sich ein so kleiner Markt überhaupt zwei Lager leisten?
«Ich verstehe das Gerede nicht», meint Evelyne Schärer bloss, «es soll doch jeder machen, was er möchte.» Sie möchte nur eines: «Weiterwirbeln und samstags nach einer Hochzeit ein Stück Torte essen.»

In diesem Jahr wird Evelyne Schärer die Fäden für zwölf Hochzeiten persönlich ziehen, «fette Dinger», sagt sie. Es sind Feste von Paaren aus den USA, der Türkei und Kanada. «Die Incoming-Geschichte wird immer grösser.» Wenn es nicht der Stammbaum ist, der die Paare aus dem Ausland in die Schweiz führe, seien es die touristischen Qualitäten des Landes. Eine Entwicklung der Branche, in die sich Evelyne Schärer wiederum an vorderster Front voll reinhängt. Ihr persönliches Highlight:«In diesem Jahr mache ich die wohl prominenteste Hochzeit meines Lebens.» Ein echter Weltstar, den sie auf dem Golfplatz kennengelernt habe.

Text Stine Wetzel